Wenn Feuchte, Chemie und Stösse zusammenkommen
Feuchtraum-Wannenleuchten: So wählen Sie richtig
Welche Feuchtraumleuchte ist die geeignete? Entscheidend ist eine genaue Analyse der Umwelteinflüsse vor Ort. Dieser Artikel nimmt eine Auslegeordnung vor und bietet Praxistipps sowie eine Auswahl-Checkliste für Elektroinstallateurinnen und Elektroinstallateure.
Vor der Auswahl einer Feuchtraum-Wannenleuchte steht immer der Check vor Ort: Machen Sie sich ein Bild der Bedingungen und prüfen Sie die Vorgaben.
Wasserreservoir, Schwimmbäder, Werkstätten, Ställe: Das sind nur vier Beispiele von Umgebungen mit besonderen Anforderungen an die Beleuchtung. Denn die Leuchten müssen vor Feuchtigkeit, spritzendem Wasser, ätzenden Dämpfen oder Temperaturschwankungen geschützt sein. Feuchtraum-Wannenleuchten – kurz: Feuchtraumleuchten – sind für solche Bedingungen ausgelegt. Sie eignen sich für Bereiche mit hoher Luftfeuchtigkeit, gelegentlichem Spritzwasser und wechselnden, aber anspruchsvollen Umgebungsbedingungen.
Experten-Checkliste für die Auswahl von Feuchtraum-Wannenleuchten
Unsere bewährte «Check vor Ort»-Liste für Elektroinstallateurinnen und -installateure.
Kurzüberblick: Anforderungen und Auswahlkriterien
In der Praxis kann die Auswahl der passenden Feuchtraumleuchte zu Fehlentscheidungen führen. Diese können entstehen, weil Umgebungsbedingungen, Reinigungsprozesse oder erforderliche Nachweise zu wenig berücksichtigt werden. Auch mangelnde Normenkenntnisse sowie Fehler in Ausschreibungen oder Angeboten können sich als Stolpersteine erweisen. Neben der Feuchtigkeit spielen zudem auch die Korrosion durch Chemikalien oder Beschädigungen durch äussere Einwirkungen eine Rolle.
Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die technischen Grundlagen und die Schutzarten. Er zeigt zudem typische Problemfälle anhand von konkreten Beispielen auf. Und er bietet Fachleuten eine Checkliste für die Wahl der geeigneten Feuchtraum-Wannenleuchten.
Technische Grundlagen
Dieser Abschnitt behandelt IP- und IK-Schutzarten, die chemische Beständigkeit der verwendeten Materialien sowie Aspekte der Montage und Komponentenwahl. Er stützt sich auf die NIN-Norm 5.1.2.
IP-Schutzarten
Die Abkürzung IP steht für «Ingress Protection Rating» und definiert, wie gut eine Leuchte gegen Berührung sowie gegen das Eindringen fester Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Sie ist insbesondere relevant für alle feuchten und staubigen Umgebungen.
Der IP-Code besteht aus zwei Kennziffern sowie optional einem zusätzlichen Buchstaben. Die erste Ziffer gibt an, wie gut die Leuchte gegen Berührungen und gegen das Eindringen fester Fremdkörper wie Staub geschützt ist. Die Skala reicht von 0 (kein Schutz) bis 6 (staubdicht).
Die zweite Ziffer gibt an, wie gut die Leuchte gegen das Eindringen von Wasser geschützt ist. Die Skala reicht von 0 (kein Schutz) bis 8 (Untertauchen). Zusätzlich gibt es die Ziffer 9 oder 9K. Produkte mit dieser Kennziffer sind mit Hochdruck- und Heisswasserstrahlen geprüft worden.
Wichtig zu wissen: Eine höhere Wasser-Schutzart schliesst nicht in jedem Fall die tiefere mit ein. Beispielsweise ist die Kategorie IP69K nicht automatisch «besser» als die Kategorie IP68. Denn es ist dabei eine andere Belastung geprüft worden (Strahlreinigung statt Untertauchen). Wenn für eine Leuchte beide Schutzarten relevant sind, sind beide Prüfungen erforderlich – in diesem Fall IP68 und IP69K.
IK-Schutzarten
Leuchten in öffentlichen Bereichen wie Unterführungen, Treppenhäusern oder Parkhäusern sind möglichen mutwilligen Zerstörungen ausgesetzt. Auch unbeabsichtigte Einwirkungen sind potenzielle Gefahrenquellen. Beispielsweise können schwere Maschinen in Werkstätten oder herumfliegende Bälle in Sporthallen die Leuchten beschädigen.
Der IK-Stossfestigkeitsgrad beschreibt die Widerstandsfähigkeit der Leuchte gegen äussere Einflüsse wie Stösse und Schläge. Der IK-Code reicht von IK00 (kein Schutz) bis IK10 bzw. IK11 (seit 2021). Die Schutzklasse IK11 entspricht einer Schlageinwirkung von 50 Joule. In der Praxis finden sich häufig Produkte mit einem Stossfestigkeitsgrad über IK11, die einer höheren Schlagenergie standhalten. Dabei handelt es sich um herstellerseitige Prüfwerte, die nicht offiziell normiert sind.
Chemische Beständigkeit
Für die Materialwahl der Leuchte sollten Sie wissen, welchen Stoffen die Leuchten im geplanten Umfeld ausgesetzt sind. In Werkstätten können die Leuchten beispielsweise mit Benzin, Diesel oder Schmierstoffen in Berührung kommen. Aber auch Reinigungsmittel können die Gehäusematerialien chemisch angreifen.
Je nachdem, welchen chemischen Substanzen die Leuchten ausgesetzt sind, eignen sich unterschiedliche Materialien. Polycarbonat (PC) beispielsweise ist beständig gegen Salzlösungen und viele Alkohole. Acrylglas (PMMA) kann je nach Ausführung auch gegenüber Benzin oder Natronlauge geeignet sein. Bei der Materialwahl sind deshalb Beständigkeitslisten und Datenblätter beizuziehen.
Montage und Komponenten
Die Schutzart ist nur so gut wie die Montage. Ver-wenden Sie deshalb ausschliesslich die zur Leuchte gehörenden Dichtungen und Kabelverschraubungen und montieren Sie diese fachgerecht.
Auch der Innenaufbau ist relevant: Vorschaltgeräte und LED-Boards sollten ebenfalls IP-geschützt sein. Massgebend sind dabei die Angaben im Datenblatt und in der Montageanleitung.
Typische Herausforderungen
Dieser Abschnitt zeigt konkrete Beispiele aus der Praxis. Grundsätzlich gilt: Es gibt kein allgemeingültiges «Richtig» oder «Falsch». Entscheidend sind immer die spezifischen Verhältnisse vor Ort sowie die Vorgaben aus Planung, Ausschreibung und Datenblatt.
Waschstrassen
Je nach Reinigungsprozess sind Leuchten in einer Waschstrasse mindestens gegen Strahlwasser auszulegen (IP65). Erfolgt die Reinigung mit Hochdruck- oder Heisswasserstrahlen, ist IP69K erforderlich.
Industrie mit aggressiven Dämpfen
In Lackierereien, chemischen Betrieben oder in der Galvanik können aggressive Dämpfe auftreten. Metallteile können dadurch korrodieren, Kunststoffe vergilben oder verspröden. Empfehlenswert sind Gehäuse aus Edelstahl sowie geeignete Dichtstoffe. Je nach Vorgaben gilt es zudem den Explosionsschutz zu gewährleisten.
Silos und Holzverarbeitung
In Umgebungen mit viel Staub und Sägemehl wie beispielsweise Werkstätten oder Silos besteht Staubexplosionsgefahr. Deshalb sind Vorgaben bezüglich Explosionsschutz zwingend einzuhalten. Ebenfalls empfiehlt sich bei der Leuchte eine hohe IP-Klasse, um das Eindringen von Staub zu verhindern. Dies kann durch Leuchten mit begrenzter Oberflächentemperatur, dem sogenannten D-Zeichen, erreicht werden.
Schwimmbäder
Chlor in Schwimmbädern kann bewirken, dass Gehäuse, Befestigungsteile und Dichtungen korrodieren. Empfohlen werden daher spezielle Leuchten aus chlor- und korrosionsbeständigen Materialien. Die möglichen Werkstoffe sind Edelstahl (V4A), glasfaserverstärktes Polyester oder PMMA.
Ställe
Ammoniakausstösse in Ställen können die Korrosion ebenfalls begünstigen. Empfehlenswert sind daher Leuchten mit ammoniakbeständigen Materialien und einer Ausführung, die auch Staub, Feuchte und Reinigungsprozesse berücksichtigt.
Fahrzeugservice
Überall, wo mit Motorfahrzeugen gearbeitet wird – etwa Werkstätten, Motorwaschanlagen, Reifenservice – können Leuchten mit Öl, Fett, Kraftstoffen oder Reinigungsmitteln in Berührung kommen. Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Beständigkeit der Materialien gegenüber diesen Stoffen. Ausserdem ist eine erhöhte IK-Klasse sinnvoll, um Schäden durch Rempler, Werkzeuge oder Maschinen zu vermeiden.
Fassadenreinigung
Bei Aussenanwendungen mit direktem Hochdruckreiniger-Einsatz wie beispielsweise der Fassadenreinigung ist ein Schutz von mindestens IP66 zu wählen. Bei Hochdruck- und Heisswasserstrahlen ist IP69K angezeigt. Ebenso wichtig sind geeignete Dichtungen.
Spezialfälle und weiterführende Vorgaben
Bei Spezialfällen wie beispielsweise Öltanks bestehen seitens der Auftraggeber meistens konkrete Vorgaben. Sind diese nicht oder nicht vollständig vorhanden, fordern Sie diese vom Auftraggeber ein. Zusätzlich können weiterführende Vorgaben relevant sein wie beispielsweise die Lebensmitteltauglichkeit in Grossküchen oder die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) in Umgebungen mit sensibler Mess- und Steuertechnik.
Fazit: Ein Check vor Ort ist Pflicht
Welche Leuchte für einen spezifischen Standort geeignet ist, ergibt sich nur aus der genauen Analyse der Umgebungsbedingungen. Die IP- und IK-Schutzklassen sind dabei relevante Faktoren, aber nicht die einzigen. Genauso wichtig sind die Material- und Dichtungsbeständigkeit sowie die Montage und die Wartung.
Aus diesem Grund steht am Anfang der Auswahl einer Feuchtraum-Wannenleuchte immer der Check vor Ort: Machen Sie sich ein Bild der Bedingungen und fordern Sie bei Ihren Ansprechpartnern die notwendigen Informationen sowie Muster und technische Datenblätter ein. Nutzen Sie dabei auch unsere Checkliste (PDF). So stellen Sie sicher, dass die Leuchte nicht nur heute passt, sondern auch langfristig zuverlässig ihren Dienst leistet.
Wir sind persönlich für Sie da
Haben Sie noch Fragen zur Wahl der richtigen Feuchtraumleuchte? Dann kontaktieren Sie unsere Lichtexperten direkt – wir stehen Ihnen mit unserem Wissen mit Rat und Tat zur Seite.
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